2010

Geistlicher Impuls im Dezember 2010

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nur noch wenige Tage verbleiben bis Weihnachten. Die Wochen vor dem Fest sind eine „hohe Zeit“: In den Einkaufszonen unserer Städte sieht man Menschen mit voll gepackten Tüten von einem Geschäft zum anderen laufen. In den Kirchengemeinden ist rege Betriebsamkeit mit allerlei Aktivitäten. In den Polizeibehörden begegnet man Kolleginnen und Kollegen, die feststellen, alle Einladungen zu Weihnachtsfeiern anzunehmen, wäre doch etwas zu viel des Guten.

Was zu Weihnachten alles unternommen wird, hat schon eine gewisse – manchmal amüsante, manchmal stressige - Routine bekommen. Und zugleich steht die Zunft der Seelsorger in unserem Land vor der Frage: „Was suchen die Menschen?“ Eine kleine Geschichte kann helfen, genauer hinzuschauen:

Wer wartet auf wen?*
Der alte Rabbi sitzt in der milden Mittagssonne des Wintertages. Die Kinder spielen im Innenhof des Bethauses. Fangeles oder Verstecken? Nur mit einem leichten Blinzeln beobachtet er das Geschehen um ihn herum. Da, ein lautes Weinen. Der Enkel läuft zu dem alten Mann. „Was ist passiert?“ – Schluchzend steht der Kleine vor ihm und ist ganz verzweifelt: „Opa, ich versteck mich immer und keiner sucht mich!“
Der alte Rabbi nimmt ihn in den Arm. „Schau, genau so ergeht es Gott, dem Allmächtigen: er versteckt sich und keiner sucht ihn!“
Die Zeit vor Weihnachten – so sagt man – ist die Zeit des Wartens. Wenn wir uns nicht im Terminmarathon verlieren, auf was warten wir? Die Kinder warten auf das Christkind, und wir? Auf die Feiertage? Auf die paar Tage Erholung? Auf ein friedliches Familienfest? Auf Entspannung im Winterurlaub? Auf schöne Gottesdienste ...? Oder: Warten wir auf die Ankunft Gottes? Er ist doch schon gekommen, auf was sollen wir da warten?

Die Geschichte vom Rabbi dreht die Frage um. Nicht wir warten. Gott wartet auf uns, auf mich. Er ist der große Wartende. Und vielleicht darf man hinzufügen: „Geduldig warte ich schon so lange auf dich. Immer wieder habe ich mich vertrösten lassen. Aber jetzt, wäre die Zeit günstig. Jetzt, wo die Tage kürzer werden, und die Kälte uns eher nach innen treibt. Wirst du mich jetzt suchen, zu mir kommen, zu dir kommen?“

Die Wochen um Weihnachten laden ein, sich auf mehr als „Routine“ einzulassen. Und wer sich auf die Welt der Religionen einstellen mag, darf wissen, dass da einer ist, der des Wartens auf Sie, mich, uns nicht müde wird. Mehr noch: der immer wieder neu das Spiel des Lebens angeht, in dem wir die wichtigsten Mitspieler sind.

In diesem Sinne Ihnen sowie all Ihren Angehörigen, ein gesegnetes Weihnachtsfest 2010
und Gottes reichen Segen für das Jahr 2011!                                                                                                                                     

Herzliche Grüße
Dr. Michael Arnemann
Polizeiseelsorger NRW - Bistum Münster                     

* nach einer Idee aus dem Bistum Augsburg
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