2011

Geistlicher Impuls Weihnachten 2011

 Alle Jahre wieder …
Ja ist denn schon wieder Weihnachten?
Same procedure as every year …
Es kommt so überraschend!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zu Weihnachten kann einem eine Menge einfallen – der “fixe Termin” am Jahresende hat es in sich. Manch einen stört das Fest, weil Hektik und Aufwand immer mehr zunehmen. Aus dem Rheinland höre ich: „Weihnachten ist so schön feierlich, aber das es gerade in der Session liegen muß!“

Andere freuen sich auf die freie Zeit. Geschenke sind bei Kindern hoch im Kurs, lange Wunschlisten entstehen. Vorfreude und „Warten auf …“ – kein anderes Fest ist mit so vielen Erinnerungen aus Kindheitstagen verbunden.

Alle Jahre wieder … der Mensch lebt eben auch von Ritualen. Sie tun ihm gut. Und jene, die auf Religion und Glauben verweisen, sind sogar besonders wertvoll.

Wer danach fragt, was unsere Gesellschaft zusammenhält, der erfährt, dass Menschen, die nicht mehr um ihre religiösen Wurzeln wissen, Ängste entwickeln. Statt einem „mehr an Freiheit ohne Religion“, wie es manche Stimme der Siebziger propagierte, entsteht mit dem Begegnen anderer Kulturen ein ganz neues Problem: was ist mit dem „Fremden“, der seine Religion mit in unser Land bringt? Hab ich da selber noch etwas zu bieten? Zumindest, um einordnen zu können, was mit mir geschieht, wenn ich auf ganz andere Gebete und Gottesdienste stoße, andere Wertvorstellungen erlebe, Menschen mit ihren Überzeugungen erfahre?

So gesehen, kann Weihnachten feiern und sich an die Botschaft von der Menschwerdung Gottes erinnern, zu einem besonderen Zeichen werden: Christen und alle Menschen guten Willens, die sich auf eine festliche Zeit und ihre Bedeutung  einlassen, haben verstanden, dass auch dies dem Frieden in unserer Gesellschaft hilft.

Die Polizeiseelsorger wünschen Ihnen und Euch in diesem Sinne viel mehr als ein sinnvolles Sicherheitskonzept zum Jahresende: frohe Festtage mit der Botschaft des „Fürchtet Euch nicht“ im Kreise von Familie und Freunden und einen guten Start in das neue Jahr!

Dr. Michael Arnemann
Polizeiseelsorger NRW - Bistum Münster


Geistlicher Impuls Polizeiseelsorge 10/11 2011


"Du bist nicht ganz bei Trost", bekam ich als Jugendlicher von meinen Eltern manchmal zu hören, um die Unverhältnismäßigkeit einer vorgetragenen Bitte herauszustellen. Damit wurde gleichzeitig jede Diskussion, ob eine Bitte nicht doch berechtigt sein könnte, im Keim erstickt.

Welchen Weg auch immer diese Redewendung in die deutsche Sprache genommen hat - solchermaßen beschieden zu werden bringt nicht wirklich Trost.  

Ähnliches gilt, wenn jemand das Gefühl hat, dienstlich oder privat (nur) vertröstet zu werden.  
 
Trost sei zwischenmenschliche Zuwendung an jemanden, der leidet, der trauert. Derjenige werde getröstet. Trost bedeute eigentlich (innere) Festigkeit, aber auch: Ermutigung. So beschreibt das Wort die Internetenzyklopädie wikipedia.

Das klingt schon anders: wirklicher Trost also ist eine Schulter, an die sich jemand lehnen kann; wirklicher Trost sind auch die Arme der Eltern, in die ein Kind sich weinend flüchtet, Geborgenheit und Halt erlebt, wenn gerade die eigene kleine Welt um es herum trostlos erscheint  Ein Wort, eine Geste, eine Berührung ist geeignet, Trost zu spenden. Hierzu gehört sicher auch der Trostpreis, das Trostpflaster: kleine Entschädigungen, vielleicht sogar auch Wertschätzungen, die das  Gefühl vermitteln, dass jemand an mich zumindest gedacht hat.

Christen schöpfen Trost, innere Festigkeit und Ermutigung aus ihrem Glauben, in Zeiten der Bedrängnis wie auch dann,  wenn sie einen Angehörigen durch den Tod verloren haben. Gerade der kommende Ewigkeitssonntag, der Totensonntag, die Festtage Allerheiligen und Allerseelen führen uns einerseits die Endlichkeit irdischen Lebens vor Augen, andererseits spenden sie den Trost gläubiger Gewissheit, dass Gott kein Gott der Toten, sondern ein Gott der Lebenden ist (Matthäus 22,32b), der seinen Sohn Jesus Christus am Karfreitag nicht im Tod gelassen hat; er ist am Ostermorgen auferstanden von den Toten.  

Der Wallfahrtsort  Kevelaer/Niederrhein  ist etwa 40 km von meinem Dienstsitz Viersen  entfernt. Hier wird Maria, die Mutter unseres Herrn Jesus Christus, die seinen Tod am Kreuz miterleben musste, als "consolatrix afflictorum", als "Trösterin der Betrübten" verehrt. "Wer nicht gelitten hat, weiß auch nicht, wie man tröstet": so hatte es der UN-Generalsekretär, Wissenschaftler  und Philosoph Dag Hammarskjöld (1905-1961) einmal ausgedrückt.

Wir sind als Christen ganz und gar bei Trost, wenn wir im Gebet mit unseren Anliegen  zur Gottesmutter Maria kommen, Trostbedürftigkeit zulassen und ihr vertrauen, auch und gerade angesichts des Besuches der Gräber unserer Angehörigen. Des Todes und der Auferstehung ihres Sohnes eingedenk vermag sie uns Trost im Sinne innerer Festigkeit und Ermutigung zu geben.

Polizeipfarrer Michael Hennen, lic.theol.


Geistlicher Impuls für die Sommermonate 2011

„Meine vielen Gesichter“,
so heißt der Titel eines Buches von Virginia Satir.
Das stimmt: wir haben viele Gesichter, mit denen wir uns und anderen begegnen: Wir können liebevoll, stark, intelligent, offen, demütig gewinnend, aber auch falsch, ängstlich, destruktiv oder auch neidisch und eifersüchtig sein.
Oftmals halten wir unsere vielen Gesichter für gut oder falsch, bejahen sie, lehnen sie ab oder wir kämpfen mit ihnen bis sie zur Unkenntlichkeit verkommen. Und doch könnten wir reicher und ausgeglichener sein, wenn wir in der Lage wären, alle Eigenschaften, die zu uns gehören, anzunehmen.
Virginia Satir zeigt uns in ihrem Buch den Schlüssel für neue Möglichkeiten der Lebensgestaltung, unsere vielen Gesichter zu erkennen und anzunehmen. Sie lädt ein, sich selbst als Wunder zu entdecken: du bist das Wunder Mensch. Schau in dein Inneres, lerne dein inneres Theater kennen, egal ob es sich um eine Tragödie, Komödie, ein Dokumentarspiel, moralische Aufrüstung oder romantische Liebe handelt. Gehe in deine Gedankenwelt, in der dein Theaterstück abläuft und entdecke dich neu als Geschöpf Gottes. Merke, wer in dir das sagen hat. Möglicherweise stößt du wieder auf deine innere Stimme, die in frühen Zeiten die Menschen die Stimme Gottes genannt haben.

Ich möchte einladen, den bevorstehenden Urlaub zu benutzen, um die vielen Gesichter zu finden und kennen zu lernen. Möglicherweise kommt dann die Ich-verlorenheit wieder zu ihrem eigenen Ich zurück.
Unsere vielen Gesichter sind es wert gefunden zu werden. Sie sind Bausteine unserer von Gott geschenkten Individualität. Wir sollten sie kennen und unsere Kraft aufwenden, die Gesichter zu harmonisieren. Übrigens Jesus gibt uns für eine solche Entdeckungsreise einen tollen Tipp:
„Er zog sich in die Berge zurück, er ganz allein“. Vor großen Ereignissen hat sich Jesus immer in die Einsamkeit zurückgezogen, um mit seinem Vater allein zu sein.
Die Einsamkeit mit unserem Schöpfer möchten ich empfehlen für eine gute Erholung.

Allen, ob sie verreisen oder hier bleiben, wünsche ich eine gute Entspannung, viele Erfahrungen mit sich selbst, gute Begegnungen mit Gott und  den Menschen, die jeder neu kennen lernen kann oder altbekannt sind.
Gott segne Euch (Sie)  und die ganze Reise - erholsame Ferien- oder Urlaubstage.

Erich Elpers
Polizeiseelsorger im Kreis Steinfurt


Geistlicher Impuls im März 2011

Ein Fehler kann zum Schicksal werden ...

Ich habe in meinem Leben schon viel Glück gehabt:

- es gab keinen Verkehrsunfall, bei dem jemand verletzt oder getötet worden wäre,
- es gab keine Taten oder Straftaten, die vor Gericht hätten geklärt werden müssen,
- es gab keine Entscheidung und keine Handlung mit schlimmen Folgen für andere oder für mich.

Dennoch habe ich Fehler gemacht:

- als junger Erwachsener waghalsige, riskante Automanöver
- nachts über einen Zaun geklettert und mit Jugendlichen im Freibad geschwommen
- "Ja" gesagt, wo ich hätte "Nein" sagen müssen,
- geschwiegen, wo ich hätte reden sollen.

Wer handelt, kann Fehler machen;
wer nicht handelt, kann auch Fehler machen.
Fehler zu machen, gehört wohl zum Wesen des Menschen.
Mit Fehlern anderer und auch mit eigenen Fehlern müssen wir rechnen.

Die Bewertung von "Fehlern" hat viele Facetten,
es stellen sich Fragen nach Ursache und Wirkung:

- Wie kam es zur Fehlhaltung?
- Wie schwer wird der Fehler bewertet?
- Wer hat den Fehler begangen?
- Wer hat den Fehler vielleicht mit verursacht?
- Wie groß ist der entstandene Schaden?
- Wie groß sind die Folgen?
- Wer alles ist von dem Fehler wie stark betroffen?
- Wer sagt eigentlich, was ein Fehler ist? ...

In der letzten Zeit stehen kirchliche und staatliche Einrichtungen besonders im Blickfeld:
Frauen und Männer aus dem Bereich der Kirche haben Fehler gemacht,
Frauen und Männer aus den politischen Parteien haben Fehler gemacht,
auch bei der Polizei wurden und werden Fehler gemacht.
Wenn andere Fehler machen, unterliegt die Bewertung einer "eigenartigen" Dynamik.

Ich möchte möglichst keine Fehler machen!
(und fände es auch nicht schlecht, wenn sich viele darum bemühen würden)

- Trotzdem werde ich mich auch immer wieder einmal irren ...
- Trotzdem werde ich die eine oder die andere falsche Entscheidung treffen ..
- Trotzdem kann es mir passieren, dass ich irgendwann verantwortlich bin für ein Unglück ...
- Trotzdem werde ich Fehler machen ...

Und wenn ich Fehler gemacht habe, wünsche ich mir sehr

- einen klaren, ehrlichen Blick auf die Sache, ohne zu verharmlosen, ohne zu dramatisieren
- den Mut, zu dem Geschehenen zu stehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen
- die Bereitschaft und Fähigkeit zur Schadensbegrenzung
- die Möglichkeit zur Wiedergutmachung

Geschehenes kann nicht ungeschehen oder rückgängig gemacht werden.
Fehler können von heute auf morgen das eigene Leben total verändern.
Ein Fehler kann auch zum schweren Schicksal werden.
Dass ich Lehren aus den gemachten Fehlern ziehen kann und will, das hoffe ich.

Ich wünsche mir sehr, dass es - trotz der Fehler - immer eine lebbare Zukunft gibt.

Nach begangenen Fehlern erleben Menschen oft eine ganz besondere Bedürftigkeit.
Nach begangenen Fehlern sind wir auch darauf angewiesen, dass andere uns nicht fallen lassen.
Verlorener Mut und verlorenes Vertrauen können zurückgewonnen werden.

Dazu gibt es in der Bibel zwei Sätze, die ich sehr wohltuend finde:
(Jesus und die Ehebrecherin Joh 8,1-11)

"Ich verurteile Dich nicht, aber sündige von jetzt an nicht mehr."
und
"Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."

Vielleicht können wir davon ein wenig lernen und mitnehmen in unseren Alltag.
Das täte manch einem sicherlich richtig gut.

Erkelenz, 1.März 2011
Georg Küpper
Polizeidekan für das Bistum Aachen
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