2012

Geistlicher Impuls Advent- und Weihnachtszeit


Liebe Polizistinnen, Polizisten und Angestellte,

so wie wir Deutsche (mit und ohne Migrationshintergrund) sind, so sind wir auch alle Neandertaler.

So wie wir alle Menschen (mit und ohne „Religionshintergrund“) sind, so sind wir auch alle Kinder der Evolution.

Damals galt ein Gesetz ohne Paragraphen: Es überleben die, die stärker sind. Sie sichern die Arterhaltung mit Kämpfen und Balzritualen bei ganzjähriger Paarungszeit und haben im Rudel die Alpha-Positionen inne.

Heute hat auch das Gesetz eine Evolution hinter sich. Neben den Gesetzen der Natur gelten für uns Gesetze die wir uns selbst geben. Verstöße gegen Naturgesetze bestraft das Leben. Bei Verstößen gegen unsere Gesetze seid Ihr gefordert.

Da ich zu den Deutschen „mit Religionshintergrund“ gehöre, sind für mich Neandertaler auch Menschen. Sie sind zwar mittlerweile ausgestorben, aber einige „moderne“ Menschen scheinen an diesem Ort der Geschichte noch immer irgendwie „beheimatet“ zu sein. Diesen Eindruck habe ich manchmal bei Einsätzen zu häuslicher Gewalt, bei denen die Wohnung an eine Höhle erinnert und Machtkämpfe eskalieren.

Ein weiteres Beispiel bietet der Straßenverkehr. Wer hier seine Alpha-Position durchsetzen will, riskiert, wie im Neandertal, das eigene Leben und das der anderen.

Zugegeben sind diese Gedanken eine steile Vorlage für den Weihnachtsgruß des Polizeiseelsorgers, aber beruflich bedingt beginnt unser Weg in Richtung Weihnachten selten auf einem Adventsmarkt, sondern oft in einem Tal, wo das Fell des Weihnachtsmanns noch sein eigenes ist.

Bevor auf den Adventsmärkten eine friedliche, besinnliche und warme zwischenmenschliche Atmosphäre möglich wird, muss (leider) jemand vorher für Schutz, Sicherheit, Recht und Ordnung sorgen. Das tun Polizistinnen und Polizisten - das ganze Jahr, alle Jahre wieder.

Bevor Ihr also im Advent ankommt, habt ihr bereits einen Weg hinter euch, den viele andere nicht gehen.

Dieser Weg birgt nicht nur Berufsrisiken, sondern auch die Gefahr, dass sich das ganze Leben irgendwie wie eine „aAO“ anfühlt. Kritisch wird es, wenn ein Alarm nicht von der Leitstelle ausgelöst wird, sondern von der Familie, den eigenen Kindern, Lebenspartnern oder Freunden - und man dann nicht versteht, welcher „Einsatz“ hier eigentlich aufgemacht wird. Wer in Eurem und meinem Beruf nicht mehr „zur Besinnung“ kommt, wird auf dem Weg seines Lebens irgendwann zum Geisterfahrer.

Polizei ist wesentlicher Bestandteil der menschlichen und sozialen Kultur, weil es Menschen gibt, die diese Kultur gefährden.

„Besinnungslosigkeit“ droht, wenn in der „Polizei-Kultur“ intelligente Vorstellungen von Würde, Respekt, Gerechtigkeit, Anerkennung und Kollegialität mit dem o.g. „Gesetz ohne Paragraphen“ in Konflikt geraten.

Dies gilt auch für „Kirchen-Kultur“, wenn Arbeitsbedingungen dafür sorgen, dass immer mehr Polizisten ihren Seelsorger immer weniger sehen oder ihn gar nicht mehr kennen.

Deshalb ist gerade für uns Weihnachten wirklich wichtig. Nutzen wir die Chance zur Besinnung, denn nur wer sich erinnert „warum“ er etwas tut, wird auf dem Weg seines Lebens die Orientierung nicht verlieren.

Für Menschen mit christlichem „Religionshintergrund“ ist Weihnachten ein Fest, an dem das Leben auf seinen Ursprung lange vor dem Neandertal und einem Urknall verweist. Es ist ein Leben, dass einen Sinn hat und Würde besitzt, weil das Leben von dem geliebt wird, der es erschaffen hat.

Mit dem Bild vom Sohn Gottes in der Krippe macht sich dieser Schöpfer zu einem von uns. Er wird Mensch, um zu zeigen, dass es egal ist, aus welchem Tal die Evolution uns führt und wo diese Entwicklung endet. Entscheidend ist, dass wir das Geschenk des Lebens annehmen, das von seinem Ursprung über den Tod hinaus eine Perspektive hat.

Ich wünsche Euch und allen die Euch wichtig sind, ein frohes und vor allem besinnliches Weihnachtsfest, und für uns alle erbitte ich Gottes Segen für das neue Jahr.

Euer Klaus Krüger
Polizeiseelsorger Erzbistum Paderborn


 

Geistlicher Impuls für Oktober/November 2012 

11 nach 9/11.
Auch nach 11 Jahren weiß fast jeder noch, was er gerade zu der Zeit getan hat, als ihn am 11. September 2001 die Nachricht vom Anschlag auf das Word Trade Center in  New York erreichte. Um 8.46 Uhr Ortszeit steuert eine Boing 767 in dessen Nord- und um 09.03 Uhr eine weitere Maschine in dessen Südturm. Beide Türme brechen zusammen; es finden 3000 Menschen den Tod, unter ihnen viele Rettungskräfte: Polizeibeamte und Feuerwehrleute.

Eine weitere Maschine stürzt auf das Pentagon in Washington und bringt dort Tod und Zerstörung.

Zur selben Zeit wird eine Boing 757 der "United Airlines" entführt. Über Handy informieren viele Fluggäste ihre Angehörigen, erfahren vom Anschlag auf das Wahrzeichen New Yorks, ahnen, dass die Attentäter mit ihnen ein ähnliches Ziel verfolgen. Die 45 Passagiere werden zu Helden, als sie, den sicheren Tod vor Augen, erreichen, dass das Flugzeug über einem Wald abstürzt und nicht auf Camp David fällt.

In Deutschland ist es um diese Zeit ca. 15.00 Uhr; die ersten Bilder und Berichte von den schrecklichen Ereignissen werden mit teils ungläubigem Entsetzen aufgenommen; dass es ein terroristischer Anschlag auf die westliche Welt ist, steht schnell außer Zweifel.

Danach ist nichts mehr, wie vorher. Auch in Deutschland werden alle Sicherheitsbehörden das Ausmaß der Gefahr des Terrors im Namen der Religion der Attentäter erkennen und zur Unterstützung ihrer Strategie der Terrorabwehr - vom Verfassungsschutz bis zur Polizei - nach Islam - Experten suchen, die mit der Religion, mit den Kulturen und den orientalischen Sprachen in den Ländern des Islam vertraut sind.

Zunächst aber wird Solidarität, wird das Gebet für die Terroropfer und ihre Angehörigen zu den Geboten der Stunde. Papst Johannes Paul II. betet in Castel Gandolfo; die Menschen in Deutschland legen Blumen, brennende Kerzen und Teddys vor US - und NATO - Einrichtungen, folgen den Aufrufen ihrer Kirchen zu Gedenkgottesdiensten und zu stillem Gebet in bis in die Nacht geöffneten Gotteshäusern; US Astronauten und ihre russischen Kollegen in der internationalen Raumstation ISS sehen in 384 Kilometer Höhe die Rauchwolken über Manhattan und kabeln zur Erde: "Unsere Gebete gehören allen, die von dem Ereignis betroffen sind".

Heute, 11 Jahre später, umfasst unsere Kompetenz die Kenntnis und den Umgang mit Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus anderen Kulturen - auch, aber nicht nur als polizeiliches Gegenüber. Wir haben neu verinnerlicht, wie umfassend unser Dienst unserer Sicherheit gilt, unsere Wachsamkeit der Preis unserer Freiheit ist. Und auch heute gilt unser Gebet den Terroropfern und ihren Angehörigen - von 9/11, und nicht nur ihnen.


Michael Hennen
Am Tag des hl. Michael
Polizeiseelsorger Bistum Aachen

Geistlicher Impuls für August/September 2012

Liebe Leserinnen und Leser!

In den Ferienfreizeiten unserer Kirchengemeinde spielen wir manchmal ein sehr lustiges und turbulentes Spiel: das Chaosspiel. Dabei werden die Kinder in Mannschaften eingeteilt und müssen auf einem Spielplan durch Würfeln einen Stein vorwärts bewegen. Dann müssen sie die Nummer des Spielfeldes suchen, auf dem der Stein steht. Diese Nummern sind mit Kennwörtern versehen und auf dem ganzen Gelände versteckt. Wenn sie das Kennwort entdeckt haben, müssen sie es dem Spielleiter melden und eine Aufgabe erfüllen, bevor sie weiterwürfeln dürfen.

Sie können sich vielleicht vorstellen, welch ein Chaos und welch eine Hektik bei diesem Spiel herrschen. Alle rennen hin und her, schreien herum und sind ganz aufgeregt. Eine Aufgabe jedoch, die die Kinder erfüllen müssen, ist meines Erachtens die schwerste, obwohl sie sehr einfach klingt:

Die Kinder müssen sich flach auf den Boden legen und zwei Minuten lang ganz still sein, keinen Mucks von sich geben und ruhig werden.

Vielleicht denken Sie jetzt: Das kann doch gar nicht so schwer sein, das ist doch ein Klacks. Im Gegenteil: Sie glauben gar nicht, wie schwer es ist, wirklich still zu werden und zur Ruhe zu kommen. Nicht nur für Kinder - auch für Erwachsene. Wenn wir jetzt die Probe aufs Exempel machen würden und ich Sie bitten würde, einfach einmal 10 Minuten ganz ruhig und still zu werden und gar nichts zu tun, dann garantiere ich Ihnen, dass Sie spätestens nach 5 Minuten auf die Uhr schauen würden, unruhig würden und anfangen würden, sich irgendwie abzulenken, um die zweiten 5 Minuten zu überstehen.

Wir sind in unserem Leben dermaßen auf Aktivität ausgerichtet, wir jagen von Termin zu Termin, stehen immer unter Druck, so dass wir kaum noch ruhig sein können. Wir sind manchmal wie ein Automotor, bei dem man unter Vollgas die Kupplung tritt. - Er dreht durch. Nur wenn wir ständig so unter Stress stehen, dann sind wir nicht mehr Herr unseres Lebens - wir werden gelebt. Wir sind nur noch Gejagte, wir verlieren den wirklichen Kontakt zu anderen, zu Gott und letztlich auch zu uns selbst. Die Folgen sind hinreichend bekannt: sie reichen von Gereiztheit und Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. Die Fachwelt hat das Ganze mit dem schönen neudeutschen Begriff belegt: Burned-out-Syndrom.

Damit es nicht so weit kommt, gibt es die sehr sinnvolle Einrichtung des Urlaubs und der Ferien. Sie dienen zur Erholung und Entspannung und sollten auch dazu genutzt werden. Nur braucht nicht nur unser Körper Erholung. Auch unsere Seele, unser Herz, braucht Erholung - eine Zeit, wo sie wieder auftanken kann und Kraft schöpfen kann für die Zukunft. Die großen christlichen Heiligen, die oft von früh morgens bis spät in die Nacht gearbeitet haben, haben dies immer eingehalten und sich eine oder auch vier Wochen im Jahr gegönnt als Zeit für sich und für Gott. Diese Zeit gab ihnen die Kraft, die Anstrengungen des kommenden Jahres gelassen anzugehen und zu überstehen.

Gönnen auch wir uns eine Zeit der Stille - eine Zeit für uns selbst, eine Zeit für unsere Familie und eine Zeit für Gott. Suchen wir Gottes Spuren in unserem Leben und auch wir werden die nötige Kraft uns Gelassenheit finden, die Hektik und Stress unseres Alltags zu bewältigen.

Ihnen allen und Ihren Familien wünsche ich von ganzem Herzen eine erholsame Zeit für Leib und Seele!

Johannes Gospos
Polizeipfarrer am Polizeipräsidium Münster


 

Geistlicher Impuls im Juni/Juli 2012


Mehrere hunderttausend Menschen sind in diesem Jahr vom 13. April bis zum 13. Mai zur Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier gepilgert, darunter auch eine Wallfahrt von Polizistinnen und Polizisten in Rheinland-Pfalz. Der Heilige Rock. Die Bezeichnung scheint so unzeitgemäß wie der Anlass. Der Überlieferung nach ist der Heilige Rock das Untergewand Jesu. Von diesem Untergewand berichtet das Johannes-Evangelium, die Soldaten hätten es bei der Kreuzigung nicht zerteilt, sondern das Los darum geworfen, wem es gehören solle (vgl. Joh 19,23 f.).

Durch die hl. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, soll dieser Heilige Rock im vierten Jahrhundert nach Trier gekommen sein. Und dort wird er nun verehrt und von Zeit zu Zeit ausgestellt – zum ersten Mal vor 500 Jahren, als Kaiser Maximilian I. zum Reichstag in Trier weilte und darum bat, man möge ihm den Hl. Rock zeigen. Seitdem wallfahren Menschen nach Trier. Eindruckvolle Zeugnisse des katholischen Glaubens waren die Heilig-Rock-Wallfahrten gerade im letzten Jahrhundert – 1933, 1959 und 1996.

Und auch in diesem Jahr haben sich viele Menschen aufgemacht nach Trier. In einem modernen Schrein liegt der Heilige Rock im Mittelgang des Trierer Doms, sichtbar durch ein bruchsicheres Glas. Menschen stellen sich in langen Schlangen an und warten geduldig, bis sie im Dom am Heiligen Rock vorbeigehen können – singend und betend. Sie legen Zeugnis ab von ihrem Glauben an Jesus Christus.

Wie kann man nur daran glauben!?, mag man den Pilgern entgegenhalten. Wie kann man nur daran glauben!? Doch: Wir glauben nicht an den Heiligen Rock, wir glauben an Jesus Christus. Der Heilige Rock ist nicht mehr und nicht weniger als ein Symbol für Christus. Es geht nicht um ein antikes Tuch, um irgendwelche Magie. Ganz gleich ob Christus dieses Gewand getragen hat oder nicht – der Heilige Rock verweist auf Christus. Das macht seine Bedeutung aus. Wer nach Trier pilgert, der macht deutlich, dass er in seinem Leben auf dem Weg ist zu Christus.

Der ungeteilte Rock verweist auf Christus. Die Wallfahrt gibt … Gelegenheit, intensiv auf den innersten Glutkern des Glaubens zu schauen: Jesus Christus, der in seiner Liebe zu uns alles hergab, selbst sein »letztes Hemd«, so schreibt der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Jesus Christus, der in seiner Liebe zu uns alles hergab, selbst sein »letztes Hemd«.

Der ungeteilte Rock verweist auf Jesu Auftrag, einig zu sein, nicht geteilt zu sein. Teilung und Spaltung zu überwinden – in der Kirche, in der Christenheit. Überzeugend können wir als Christen, als Kirche nur sein, wenn wir einig sind. Deshalb heißt das Leitwort der Wallfahrt: Und führe zusammen, was getrennt ist. Führe zusammen, was getrennt ist innerhalb der geteilten Christenheit. Führe zusammen, was getrennt ist innerhalb unserer Kirche, die angesichts der derzeitigen Herausforderungen und Veränderungen immer wieder auch innerhalb Spaltungen und Parteiungen überwinden muss. Und führe zusammen, was getrennt ist – auch in unseren Familien, in unseren Gemeinschaften, am Arbeitsplatz. Jesus Christus lädt uns ein, Spaltungen, Distanzen, Gräben zu überwinden. Er lädt uns ein, uns dazu immer wieder auf den Weg zu machen – nicht nur zum Heiligen Rock nach Trier, sondern auch in unserem Alltag.

 

Dr. Antonius Hamers
Polizeidekan Bistum Münster


Geistlicher Impuls zu Ostern (April/Mai) 2012

Das Fest ist vorüber, der Alltag eingekehrt. So ist die Situation der Menschen damals nach der Kreuzigung Jesu. Die große Hoffnung, die sie in diesen Jesus gesetzt hatten, hat sich nicht bewahrheitet. Die Frauen machen sich auf, um das Grab Jesu zu pflegen. Doch da geschieht es. Der Engel teilt ihnen die frohe Botschaft mit: Jesus ist auferstanden. Das, was sicher bei den Frauen am Grab, bei den Jüngern im Haus, ja, vielleicht auch bei uns heute noch spürbar ist: Das kann ich einfach nicht glauben. Die Begegnungen mit dem Auferstandenen lösen bei den Jüngern diesen Zweifel. Denken wir an den Apostel Thomas: Wenn ich nicht meine Hände in seine Seite legen kann, glaube ich nicht. Und dann: MEIN HERR UND MEIN GOTT! Wie hilfreich wäre es für uns heute, wenn wir auch so eine direkte Begegnung mit IHM hätten, wenn wir auch sagen könnten, wir haben IHN gesehen.
Aber fragen wir uns einmal, ob es nicht doch auch für uns Erfahrungen gibt, die dieser Begegnung vergleichbar sind: Ich kann meinen Lebensweg weitergehen – trotz mancher Enttäuschung, die ich erleben muss. Ich habe den Mut nicht verloren – obwohl ich in einer scheinbar aussichtslosen Situation war. Ich habe meinen Dienst wieder aufgenommen – trotz der Erfahrung des Scheiterns. Ich versuche den Menschen, die mir begegnen, gerecht zu werden – auch wenn es manchmal bei anderen auf Unverständnis trifft. Solche Erfahrungen sind meiner Ansicht nach schon Zeichen für das Wirken Gottes in meinem ganz persönlichen Leben.
Und das gilt es – so meine ich – weiterzusagen. Die Menschen damals haben es einfach weitererzählt, erfüllt von der Besonderheit dieser Begegnung, erfüllt von der Freude, dies erlebt zu haben. Sie tun es nicht, um vor den anderen besonders aufzufallen oder gelobt zu werden, sondern sie an der Freude teilhaben zu lassen. Und auch hier können wir ihrem Beispiel folgen: in der Familie, im Freundeskreis, unter Kollegen, bei Menschen, die zu meinem Leben gehören. Auch wenn wir nicht immer sofort auf Verständnis treffen, können wir doch dazu beitragen, dass auch die anderen Menschen nicht in Ohnmachtsvorstellungen stecken bleiben: Es hat ja doch alles keinen Zweck.
Die Auferstehung Jesu am Osterfest ist ein Signal für die Zukunft, persönlich und für die Allgemeinheit. Was für mich hoffnungslos erscheint, bekommt eine neue Perspektive. Wo ich anscheinend am Ende bin, leuchtet ein neues Licht auf. Der Karfreitag verschwindet nicht aus unserem Bewußtsein – denn diese Erfahrungen wird es immer wieder geben -, aber er wird durch die Auferstehung überwunden. Ein kleiner Text mag das noch etwas deutlicher machen:
„OSTERN – JEDEN TAG
Immer dort
wo ein Stein voll Neid einem Steinchen Anerkennung weicht,
wo ein Stein voll Hass einem Steinchen Freundlichkeit Platz macht,
wo ein Stein voll Gewalt ein Steinchen Versöhnung zulässt,
wo ein Stein voll Zweifel einem Steinchen Hoffnung Raum gibt,
da ist ein kleines bisschen Auferstehung.“

In diesem Sinne wünsche ich allen Kolleginnen und Kollegen frohe und gesegnete Ostertage:
CHRISTUS IST AUFERSTANDEN – JA, ER IST WAHRHAFT AUFERSTANDEN!
Georg Wagener, Pfarrer in Kirchhundem (Erzbistum Paderborn)

Geistlicher Impuls für Februar/März 2012

Die schönen Feiertage von Weihnachten und Neujahr sind vorbei und mittlerweile schon fast wieder vergessen. Der graue Alltag hat uns wieder. Wie in jedem Jahr dieselbe tägliche Tretmühle. Nur scheint es, dass sie sich immer schneller dreht. Hinzu kommt, dass gerade im Februar und März auch das Wetter eher dieser Stimmung entspricht: Grau in Grau. Selbst die Vorfreude auf den Sommer vermag uns da noch nicht so richtig zu begeistern.

Vielleicht kann uns da eine kleine Geschichte aus den Erzählungen der Chassidim weiterhelfen:
In Ropschitz, Rabbi Naftalis Stadt, pflegten die Reichen, deren Häuser einsam oder am Ende des Ortes lagen, Leute zu dingen, die nachts über ihren Besitz wachen sollten. Als Rabbi Naftali sich eines Abends spät am Rande des Waldes erging, der die Stadt säumte, begegnete er solch einem auf und nieder wandelnden Wächter. „Für wen gehst Du?“ fragte er ihn. Der gab Bescheid, fügte aber die Gegenfrage daran: „Und für wen geht Ihr, Rabbi?“ Das Wort traf den Zaddik wie einen Pfeil. „Noch gehe ich für niemand“, brachte er mühsam hervor, dann schritt er lange neben dem Mann auf und nieder. „Willst Du mein Diener werden?“ fragte er endlich. „Das will ich gern“, antwortete jener, „aber was habe ich zu tun?“ „Mich zu erinnern“, sagte Rabbi Naftali.[1]

Für wen gehen wir? Für wen gehen wir in der Seelsorge? Für wen gehen Sie in der Polizei? Ich finde diese Frage ganz wichtig, denn sie zeigt uns, worauf es ankommt, was das eigentlich Wichtige ist. Sie zeigt uns, wozu wir berufen sind; den Grund, aus dem wir den Beruf ergriffen haben, - den Grund, der für uns den Beruf schön und sinnvoll macht.

Für wen gehe ich? Meine Antwort auf diese Frage lautet: Für Gott und die Menschen, die mir anvertraut worden sind. Wenn ich mir diese Menschen vor Augen führe, sei es in meiner Pfarrei oder auf den Polizeiwachen, in der Behörde oder an der FHöV, dann weiß ich, wofür ich das alles tue; dann spüre ich, dass es sich lohnt, auch wenn die Arbeit oft grau und vergebens erscheint; dann erfahre ich, wie gut es ist, Menschen zu haben, für die ich gehen – arbeiten – darf. Diese Menschen sind für mich Lichtzeichen auch im grauen Alltag.

Nun werden Sie vielleicht denken, der Pastor hat gut reden, aber wir mit unserer Kundschaft …? Aber sind denn nur Ihre „Kunden“, die Straftäter und Gesetzesbrecher, die Menschen, für die Sie gehen? Sind es nicht die vielen anderen auch, die in Sicherheit leben können, weil Sie da sind? Was wäre denn, wenn Sie nicht da wären?
In diesem Sinne lade ich Sie ein, zu schauen, für wen Sie gehen! Sie werden sehen, wie ermutigend es ist, sich diese Menschen vor Augen zu führen. Ich wünsche es Ihnen jedenfalls von ganzem Herzen!

Johannes Gospos
Polizeipfarrer Bistum Münster
 
[1] Buber, Martin: Die Erzählungen der Chassidim, Manesse Verlag, Zürich 2010, S. 671.

Geistlicher Impuls zum Neuen Jahr 2012

Liebe Polizeibeamtinnen und –beamte und Angestellte im Polizeidienst, verehrte ehemalige Kolleginnen und Kollegen!

Ein ganz normales Jahr ist zu Ende gegangen. Ganz normal? Auf den ersten Blick vielleicht hier bei uns in Deutschland. Aber in der Welt?

Wir erinnern uns an die Naturkatastrophe in Japan und ihre Folgen, an die Hungerkatastrophe in Ostafrika und an die politischen Umbrüche im Orient, die noch nicht beendet sind. Die Staatsschuldenkrise in Europa und der Welt wird uns noch lange beschäftigen und belastet uns auch hier in Deutschland. Unsere Politiker scheinen macht- und orientierungslos. Wieder einmal wird deutlich: viele haben über ihre Verhältnisse gelebt und die Gier nach mehr Besitz und Reichtum scheint unersättlich.

Wie geht es weiter? Müssen wir mit Rezession und Staatsbankrott rechnen? Die satten Jahre scheinen vorbei und auch die Versorgung der Polizeibeamten und -beamtinnen scheint gefährdet. Nun jammern wir auf hohem Niveau im Vergleich zum Rest der Welt insbesondere in den armen Ländern unserer Erde. Die Menschen dort sind die wirklich Leidtragenden der Krise.

Polizeiseelsorge als Teil der Kirche sieht sich an der Seite der Armen und Bedürftigen – insbesondere in den Ländern der sogenannten Dritten Welt. Solidarität mit den Menschen besonders in Afrika, aber auch mit den Armen in unserem Heimatland ist gefragt. Auch Polizeibeamtinnen und –beamte haben da einen sozialen und humanitären Auftrag durch einen menschlichen und hilfsbereiten Umgang mit Leid-Tragenden und Armen auch in Deutschland. Unser Land ist aber auch betroffen durch die sich immer weiter ausufernde Schuldenanhäufung in Europa und in Deutschland, die die Generationen nach uns noch viel mehr als uns treffen wird.

Die Kirchen haben schon immer vor dieser unverantwortlichen Politik gewarnt. Was wir brauchen ist eine neue und stärkere Verantwortung für und Solidarität mit dem Nächsten in der weiten Welt und vor der Haustüre. Die katholische Polizeiseelsorge in Nordrhein-Westfalen wird diese Anliegen der Kirche an der Seite der Polizeibeamtinnen und –beamten auch in ihrem Jubiläumsjahr der 50jährigen Wiederkehr der Unterzeichnung der „Vereinbarung Polizei NRW und Kirchen“ vertreten und umzusetzen versuchen. In zahlreichen Veranstaltungen werden wir uns mit dem Verhältnis Polizei, Kirche und Gesellschaft beschäftigen und sicher auch die schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen in Europa und der Welt nicht außer Acht lassen.  
                                   
Zum Jahreswechsel ein Gedanke des lateinamerikanischen Theologen Leonardo Boff über das „Geheimnis Weihnachten“:
„Weihnachten ist nicht irgend ein Tag des Jahres – Weihnachten geschieht täglich,
weil jeder Tag den Mensch gewordenen ewigen Sohn in sich enthält:
wenn der Arme, der nur wenig besitzt, auch das noch teilt;
wenn der Durstende Wasser verschenkt und der Hungrige sein Brot;
wenn der schwache den Kraftlosen stärkt, dann geht GOTT selbst mit uns auf unseren Wegen.
Wenn Wahrheit gesagt wird, wo Lüge herrscht;
wenn geliebt wird, wo Hass besteht; wenn Friede verkündet wird, wo Krieg wütet,
da geht GOTT selbst mit auf unseren Wegen. Die Menschwerdung dauert an, das Wort pflanzt sein Wirken in der Geschichte fort, JESUS CHRISTUS wird immer wieder im Leben von Menschen geboren.“

So danken wir, die katholischen Polizeiseelsorger in Nordrhein-Westfalen, Ihnen, den Kolleginnen und Kollegen für Ihren Dienst am Bürger und Menschen. Mit dem folgenden Irischen Segenswunsch wünschen wir Ihnen ein gutes neues Jahr 2012 unter Gottes gutem Geist,
Ihre Polizeiseelsorger (aus dem Bistum Paderborn)

„Möge das neue Jahr nur gute Tage für dich haben. Mögen dieses Haus und alle, die in ihm wohnen, im neuen Jahr mit Gottes Liebe gesegnet sein.“ (Irisches Segenswort)



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