Afghanistan 2014

Informationsreise einer Delegation der Polizeiseelsorge nach Afghanistan 2014


 Tag 1: Dienstag, 15.04.2014

Weihbischof Wolfgang Bischof und Polizeiseelsorger Dr. Michael Arnemann sind am Dienstagmorgen in Afghanistan eingetroffen. Erste Station am Dienstag war Kabul. Dort besichtigte die Delegation der Katholischen Polizeiseelsorge die Nationale Afghanische Polizeiakademie (ANPA) und sprach mit dem Stellvertreter des deutschen Botschafters über den erfolgreichen Einsatz der Sicherheitskräfte bei den Wahlen Anfang des Monats.

Der Polizeibischof und Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof ist am Dienstag mit einer Delegation der katholischen Polizeiseelsorge zu einem Informationsbesuch in Afghanistan eingetroffen. Während dieser Afghanistanreise haben die Teilnehmer Gelegenheit, deutsche Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte und Diplomaten zu treffen und sich vor Ort ein Bild von der gemeinsamen Arbeit deutscher und afghanischer Polizisten beim Aufbau des Landes zu machen. Begleitet wird der Weihbischof vom Mitglied des Vorstandes und Beirates der Bundesarbeitsgemeinschaft Polizeiseelsorge Dr. Michael Arnemann (Bistum Münster), dem Militärdekan des katholischen Militärbischofsamts Joachim Simon und dem Münchner Militärdekan Arthur Wagner.

Nach einer Zwischenlandung in Mazar-e Sharif im Norden Afghanistans haben die Teilnehmer der Informationsreise am Dienstag die Afghanische Nationale Polizeiakademie (ANPA) in der Hauptstadt Kabul besucht. Hier unterrichten von deutschen Polizeitrainern ausgebildete Lehrer mehr als 2000 Polizeischüler. Die Delegationsteilnehmer machten sich ein Bild vom Trainings- und Mentorenbetrieb. Das German Police Project Team (GPPT) unterstützt seit der Wiedererrichtung der nahezu zerstörten Polizeiakademie im Jahr 2002 die Afghanen beim Polizeiaufbau. „Die deutsche Polizei kann einen wichtigen Dienst leisten, um die Zukunft der afghanischen Polizistinnen und Polizisten fachlich und menschlich zu begleiten“, sagte Weihbischof Bischof anlässlich des Besuchs.

Am Nachmittag wurde die Delegation der Polizeiseelsorge in der deutschen Botschaft in Kabul zu einem Gespräch mit dem Chargé d’Affaires Oliver Owcza empfangen. Der Stellvertreter des deutschen Botschafters in Afghanistan berichtete von einer enormen Stimmung des Aufbruchs im Land. Das hätten die afghanischen Präsidentschaftswahlen in der ersten Aprilwoche gezeigt. Die Polizei habe in dieser Zeit sehr gute Arbeit geleistet und zum Gelingen der Wahlen beigetragen, indem sie die mehr als 6000 Wahllokale in den 34 Provinzen des Landes schützte. Die befürchteten Anschläge waren bei der Wahl Anfang des Monats ausgeblieben.

Der erste Tag der Reise endete mit einem Gottesdienst, den die deutsche Delegation gemeinsam mit Polizistinnen und Polizisten feierte. „Ostern ist das höchste Fest der Christen und hier ist es mir ein persönliches Anliegen mit den Polizistinnen und Polizisten in Afghanistan eine Wegstrecke in der Karwoche auf Ostern hin zu gehen“, sagte der Weihbischof Bischof.

     

Gruppenbild mit dem Mentorenteam GPPT an der ANPA (Afghan National Police Academy) Kabul 

 

 Rundgang an der ANPA mit dem Stellv. Leiter General Sapand, Stellv. Leiter GPPT POR Rosemann

 

Rundgang an der ANPA mit dem Stellv. Leiter General Sapand, Stellv. Leiter GPPT POR Rosemann

   

 Rundgang an der ANPA mit dem Stellv. Leiter General Sapand, Stellv. Leiter GPPT POR Rosemann

 

Gruppenbild vor dem vom GPPT errichtetem Police Training Centre in Kabul mit General Sapand;
V. l.: Dr. Michael Arnemann (Polizeiseelsorge Bistum Münster), General Shah Alam Sapand (Stellv. Leiter ANPA), Weihbischof Wolfgang Bischof, Militärdekan Joachim Simon 

 Gruppenbild mit dem stellv. deutschen Botschafter in Afghanistan Oliver Owca anlässlich des Besuchs an der Botschaft in Kabul;
V.l.: Militärdekan Joachim Simon, Weihbischof Wolfgang Bischof, Oliver Owcza (Stellv. deutscher Botschafter), Dr. Michael Arnemann


Tag 2: Mittwoch, 16.04.2014 -
Mazar-e Sharif

Nach einer Übernachtung im "Green Village" in Kabul ging es für die Delegation am Mittwoch in der Transall weiter nach Mazar-e Sharif. Im regionalen Polizei-Trainingszentrum sprachen Weihbischof Bischof und Dr. Michael Arnemann mit deutschen und afghanischen Polizistinnen und Polizisten und erfuhren hohe Wertschätzung für ihren Besuch. Den zweiten Tag ihrer Reise beschloss die Delegation mit einem Gottesdienst inklusive Firmung eines Bundeswehrangehörigen.

Am Mittwochmorgen hat die Delegation der Katholischen Polizeiseelsorge mit Weihbischof Wolfgang Bischof und Polizeiseelsorger Dr. Michael Arnemann ihre Informationsreise in Afghanistan fortgesetzt. Mit einer Trans-All der Bundeswehr wurde die Delegation, die die Nacht im „Green Village“, einem besonders gesicherten Wohnbereich in Kabul, verbracht hat, in die Stadt Mazar-e Sharif im Norden Afghanistans geflogen.
Dort besuchten die Teilnehmer der Reise zunächst das regionale Polizei-Trainingszentrum Mazar-e Sharif, eine Ausbildungseinrichtung des German Police Project Teams (GPPT), und sprachen mit führenden afghanischen Polizisten über die Ausbildungsabläufe und die Mithilfe der Polizistinnen und Polizisten beim Aufbau des neu errichteten zivilen Flughafens in Mazar-e Sharif. Noch arbeiten deutsche Polizistinnen und Polizisten im regionalen Trainingszentrum als Trainer und Ausbilder. In den nächsten Monaten soll das Zentrum ganz an die afghanische Polizei übergeben werden. Die deutschen Kollegen stehen den Afghanen dann als Berater zur Seite.
Besonders beeindruckt waren Weihbischof Wolfgang Bischof und Polizeiseelsorger Dr. Michael Arnemann vom Besuch des Kindergartens, den die deutsche Polizei im Trainingszentrum hat aufbauen lassen, um auch afghanischen Frauen die Ausbildung zu Polizistinnen zu ermöglichen. „Die Kinder sind ganz unbefangen auf uns zugekommen. Hier zeigt sich im Kleinen, wie eine neue Zivilgesellschaft aufgebaut wird“, beschrieb Dr. Michael Arnemann die Begegnung mit den Kindern. Die Teilnehmer der Reise erfuhren auch, dass derzeit ein zweiter Kindergarten mit Unterstützung der Polizei in einer Mädchenschule in Mazar-e Sharif errichtet wird, um Lehrerinnen dort die Möglichkeit zu geben, ihren Beruf auszuüben.
Am Nachmittag nahm die deutsche Delegation an der Verleihung der so genannten Afghanistan-Spangen, einer Auszeichnung des Bundesinnenministeriums, an sieben Polizistinnen und Polizisten teil. Die Geehrten haben zwischen 150 und 500 Tagen Dienst in Afghanistan geleistet und treten nun bald ihre Heimreise an.
Zwischen den einzelnen Programmpunkten hatten die Vertreter der Katholischen Polizeiseelsorge Gelegenheit zu ausführlichen Gesprächen mit deutschen Polizistinnen und Polizisten in Mazar-e Sharif. Sie bekamen so einen bleibenden Eindruck vom Polizeialltag in Afghanistan. „Polizistinnen und Polizisten leisten in Afghanistan Dienst unter weitgehend anderen Voraussetzungen als in Deutschland. Ihre Erfahrungen und Ihre Herausforderungen besser kennenzulernen und ein entsprechendes Bild vor Ort zu gewinnen, war ein Ziel der Reise“, so Polizeibischof Wolfgang Bischof.
Auch der zweite Reisetag endete mit einem gemeinsamen Gottesdienst. In Vertretung für den Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck erteilte Weihbischof Wolfgang Bischof in diesem Gottesdienst einem Bundeswehrangehörigen die Firmung.

 

Besichtigung eines Trainings im RPTC (Regional Police Training Centre) Mazar-e Sharif

Training der Afghan National Police

Besuch eines Schießtrainings

Gemeinsames Mittagessen mit dem Leiter der GPPT Außenstelle Mazar e Sharif PD Frohn und dem Leiter RPTC North Colonel Aqtash

 Gespräch mit dem Kommandeur des Regional Command North General Major Schütt


TOP-MELDUNG Mi., 16.04.2014, 20:45 Uhr (Ortszeit: +2:30 Std.)

Gerade eingetroffen: Eine "private" Anmerkung von unserem Hauptberichterstatter, Herrn Dr. Arnemann:
"Uebernachte heute mit dem Luxus einer Einzelbelegung im "gesicherten Container" - hoffe wir koennen nach "etwas mehr Schlaf" morgen weiteres berichten. Gute Nacht! M.A."

Tag 3: Donnerstag, 17.04.2014 - Verabschiedung/Rückflug

Sicherheit wird im Camp Marmal gross geschrieben. Verabschiedung auf dem Flugfeld. Wir wünschen vielen Kollegen alles Gute fuer ihre verbleibende Zeit in Afghanistan und eine gute Heimkehr demnaechst zu ihren Lieben in Deutschland.
Unser "HauptberichterstatteR" hatte das Glueck, bei zwei "Trall-Fluegen" im Cockpit mitreisen zu duerfen.
Ueber Termez - mit hervorragender Unterstuetzung des Teams am Luftstuetzpunkt und der Flugbereitschaft - ging es zurueck nach Koeln-Wahn.
Nach sechs Stunden 40 waren wir wieder vor Ort - mit den neuen "zivilen" Flugverbindungen ab MeS rueckt Afghanistan wieder naeher an uns heran - nach 78 Jahren deutsches Engagement ebendort.

Per E-Mail von Herrn Dr. Arnemann direkt für diese Internetseiten:

Erhalten am 17.04.2014, 22:35 MEZ

"Die Delegation war heute bereits im Sicherheitslagebericht - eine Tasche war unbeaufsichtigt stehen geblieben - ausserhalb des offiziellen Programms! - Sicherheit wird im Camp Marmal gross geschrieben: alles gut gegangen!! Nach Einblicken in die alltaegliche polizeiliche Arbeit der deutschen Kollegen sind wir sehr herzlich von PD Frohn, Head of Mission in MeS verabschiedet worden - auf dem Flugfeld durften wir vielen Kollegen alles Gute fuer ihre verbleibende Zeit in Afghanistan wuenschen und eine gute Heimkehr demnaechst zu ihren Lieben in Deutschland: die tolle Kollegialitaet im Auslandseinsatz hilft aber ersetzt nicht die Familien daheim!
Der "Hauptberichterstatter" (mache ich gerne!) hatte das Glueck, bei zwei "Trall-Fluegen" im Cockpit mitreisen zu duerfen - Afghanistan ist ein beeindruckendes Land, die Landeanfluege in diesem Flugzeugtyp nicht minder schwer ... Mit den Kollegen vor Ort bin ich mir einig: wir wollen hoffen, dass die Entwicklung nach den positiv verlaufenen Wahlen so weiter geht, dass wir dieses tolle Land und seine Menschen spaetestens in 10 Jahren wieder "ganz normal" besuchen koennen. Ueber Termez - mit hervorragender Unterstuetzung des Teams am Luftstuetzpunkt und der Flugbereitschaft - ging es zurueck nach Koeln-Wahn; nicht ohne uns vorher sehr herzlich von den Mitgliedern des Close Protection Teams der Feldjaeger zu verabschieden, die zusammen mit den Kollegen der Polizei einen hervorragenden "Job" gemacht haben. Ebenso Dank an unseren Kollegen Militaerdekan Simon, ohne den die Reise nicht denkbar ist und war. Nach sechs Stunden 40 waren wir wieder vor Ort - mit den neuen "zivilen" Flugverbindungen ab MeS rueckt Afghanistan wieder naeher an uns heran - nach 78 Jahren deutsches Engagement ebendort.
Beste Gruesse M.A."


  PRESSEMELDUNG
17.04.2014 - Nr. 059

Weihbischof Bischof besucht deutsche Polizisten in Afghanistan

Kindergarten1Aus dem Kindergarten beim RPTC (Regional Police Training Centre) in Mazar-e Sharif

Um jungen Frauen die Möglichkeit der Ausbildung in der Polizei zu geben, hat das GPPT (German Police Project Teams) einen Kindergarten gegründet. Ohne diese begleitende Unterstützung ist vor dem Hintergrund eines festgefügten Rollenbildes der Geschlechter in der afghanischen Gesellschaft eine Förderung des weiblichen Personals kaum denkbar.
Eine neue Zivilgesellschaft wird "von unten aufgebaut" - Verständigung ist hierzu mit der jungen Generation, wie man sieht, sofort möglich!

Kindergarten2

(Fotos privat: Arnemann-img-0620 und 0627)

 


afghanistan 2014

 

Bericht zu den Ethik-Projekten des LAFP NRW ließ auch die Frage einer christlich-muslimischen Zusammenarbeit aufkommen

Während des Besuchs der ANPA zeigte sich der stellv. Leiter General Sapand sehr interessiert an ethischen Fragen rund um den Polizeiberuf. Ein kurzer Bericht zu den Ethik-Projekten des LAFP NRW ließ auch die Frage einer christlich-muslimischen Zusammenarbeit aufkommen, die eine Auseinandersetzung mit Werteorientierungen begleiten kann. Für die Ausbildungsgänge der ANPA, die ein vierjähriges Studium für angehende Polizeioffiziere vorsieht, sind Perspektiven in diese Richtung formuliert worden.

Weiterführende Informationen zum Thema
"Christlich-muslimische Zusammenarbeit"

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