2009

Segensgebet zum Neuen Jahr

Der Herr segne dich,
er mache dich frei
von allen inneren und äußeren Zwängen,
von allem „du musst“, „du sollst“
und von allen Erwartungshaltungen anderer.

Er gebe dir Mut und Kraft,
deinen eigenen Weg zu gehen,
den für dich bestimmten Weg
zu suchen und zu finden.

Er behüte dich –
und schütze dich vor allem Unheil.
Nie sollst du dich verlassen fühlen
und widrigen Umständen hilflos ausgesetzt sein.

Er stelle dir jederzeit einen guten Menschen zur Seite.
Er lasse sein Antlitz über dir leuchten,
sei dir gnädig und schenke dir reichlich sein Erbarmen.

Er schenke dir offene Augen und Ohren,
auf dass du allezeit seine Taten und Wunder erkennst
in den unscheinbaren Dingen des Alltags.

Er schenke dir Frieden und Heil.
Lob und Tadel anderer sollen dich
weder beirren noch verwirren.

Er schenke dir innere Sicherheit und Zuversicht.
Ablehnung soll dich nicht erschrecken oder gar betäuben.
Angst soll nicht dein ständiger Begleiter sein.

Er schenke dir jeden Tag ein fröhliches Herz,
ein Lächeln auf deinen Lippen,
ein Lachen, das andere mitreißt und frei macht,
und die Gabe, dich selbst nicht zu ernst zu nehmen,
und auch über dich selbst lachen zu können.

In dunklen Stunden sende er dir einen Stern,
der dich leitet;
in Traurigkeit einen Menschen, der dich tröstet.

Er schenke dir genügend Ruhe und Schlaf;
Herausforderungen sollen auch nicht fehlen,
zündende Ideen und funkelnde Überraschungen
gebe er dir als Zutaten.

Mit seinem Segen sei er dir allezeit nahe,
umgebe dich mit seinem Beistand,
auf dass du wachsen und reifen kannst
und einen Weg findest.

So bewahre dich der Herr, dein Gott,
der dich ins Leben rief und will,
dass du lebst und Glück findest.

Ihre Polizeiseelsorger in Nordrhein-Westfalen


Geistlicher Impuls im März/April 2009

Halt an. Wo läufst Du hin?

Per E-Mail: Spiritueller Begleiter für Männer in der Fastenzeit
Fulda/Frankfurt. „Halt an. Wo läufst du hin?“ Unter diesem Motto stehen die diesjährigen E-Mail-Fastenimpulsespeziell für Männer, angeboten von der Katholischen Erwachsenenbildung Frankfurt/Main, der Katholischen Glaubensinformation (kgi) und der Kirchlichen Arbeitsstelle für Männerseelsorge. Zu den Fastensonntagen und den besonderen Tagen der Fastenzeit erhalten die Teilnehmer einen kurzen Text zugemailt, der zum Innehalten und Nachdenken einlädt.

„Wir Männer sind meistens unterwegs. Zur Arbeit, zum Erfolg usw. Manchmal mit hängender Zunge, außer Atem.“ So Dr. Hans Prömper, Leiter der katholischen Erwachsenenbildung in Frankfurt und Mitinitiator des Projekts. Deshalb gelte es, das Tempo herauszunehmen. „Halt an. Wo läufst du hin?“, schrieb im 17. Jahrhundert der Mystiker Angelus Silesiuszu Recht. Und fährt fort: „Der Himmel ist in dir.“ Dazu Prömper: „Das ist die Herausforderung für unsere Autoren: Vom Himmel und über den Sinn sprechen, der in mir zu finden ist.“

Die elf Impulse vom Aschermittwoch bis zum Ostermontag orientieren sich am jeweiligen Tagesevangelium. Davon ausgehend schreiben Männer für Männer, was sie mit dem Text verbinden und welche Fragen sich ihnen stellen. Unter den Autoren sind Praktiker aus der Männerarbeit, aber etwa auch der HR-Kirchenfunkredakteur Klaus Hofmeister und der Erzbischof von Bamberg, Dr. Ludwig Schick.

Mehr Informationen und Anmeldung zum kostenlosen Abonnement der E-Mails
finden Sie auf den Internetseiten der Gemeinschaft katholischer Männer Deutschlands (GKMD).


Geistlicher Impuls zu Pfingsten 2009

„Wo war die Polizei damals?“   …

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Polizei,

„Wo war die Polizei damals?“
In der Apostelgeschichte erzählt die Bibel über das Pfingstfest von einer großen Menschenansammlung verschiedener Nationalitäten  (Apg 2,1-11).

Über Ausschreitungen oder über einen Polizeieinsatz steht da nichts. Vielleicht verlief die Kundgebung ja ähnlich friedlich,
wie es die Polizei vom Weltjugendtag in Köln im August 2005 berichtete.
Bunt, munter, friedlich und freundlich …  ging es da zu.

Heute lösen Großveranstaltungen bei den Einsatzkräften nicht unbedingt nur Freude aus:
Niemand weiß Genaues über  die Gesinnung der Menschen, die dorthin kommen:
- Welcher Geist beeinflusst bei Demonstrationen diejenigen, die auf friedliche Weise berechtigte
  Forderungen durchsetzen wollen,
  und was bewegt diejenigen, die gewaltbereit jede Gelegenheit zur Auseinandersetzung nutzen?
- Welcher Geist bewegt bei einem Fußballspiel diejenigen, die begeistert ihre Mannschaft
  unterstützen, und was bewegt diejenigen, die eigentlich nur Randale machen wollen?
Könnte es sein, dass sich der Eindruck und das Gefühl verstärken von den früher besseren Zeiten?
- Ob damals lediglich günstige Faktoren zusammengekommen sind – ich weiß es nicht.
- Ob damals der Heilige Geist am Werke war und auf welche Weise – ich weiß es nicht.
- Ob sich vielleicht all das, was mit dem Wirken des Heiligen Geistes gemeint ist,
   auch heute ereignen und wiederholen könnte – ich weiß es nicht.
Auf jeden Fall bin ich mir ziemlich sicher, dass der Heilige Geist nicht so wirkt,
wie ich mir das früher vorgestellt habe.

Heute hat sich bei mir eine andere Sichtweise  als bedeutungsvoll herausgestellt:
- Ich bin sehr froh über ehrliche und mutige Menschen;
- ich bin sehr froh über einfache, mitfühlende und mitdenkende Menschen;
- ich bin sehr froh über bewusst lebende und gläubige Menschen.
Ob das – kirchlich gesprochen – Auswirkungen oder Gaben des Heiligen Geistes sind,
das ist für mich heute nicht mehr so wichtig.

Wichtiger ist mir, was Lothar Zenetti  in seinem „Pfingstlied heute“ formuliert:

Die Wunder von damals müssen´s nicht sein, auch nicht die Formen von gestern,
nur lass uns zusammen Gemeinde sein – so wie Brüder und Schwestern.
Ja gib uns Deinen Geist, Deinen guten Geist, mach uns zu Brüdern und Schwestern.

Auch Zungen von Feuer müssen´s nicht sein, Sprachen, die jauchzend entstehen,
nur gib uns ein Wort, darin Wahrheit ist, dass wir, was recht ist, verstehen.
Ja, gib uns den Geist, Deiner Wahrheit Geist, dass wir einander verstehen.

Ein Brausen vom Himmel muss es nicht sein, Sturm über Völkern und Ländern,
nur gib uns den Atem, ein kleines Stück unserer Welt zu verändern.
Ja, gib uns den Geist, Deinen Lebensgeist, uns und die Erde zu ändern.

Der Rausch der Verzückung muss es nicht sein, Jubel und Gestikulieren,
nur gib uns ein wenig Begeisterung, dass wir den Mut nicht verlieren.
Ja, gib uns den Geist, Deinen Heiligen Geist, dass wir den Mut nicht verlieren.

Georg Küpper


Geistlicher Impuls im August/September 2009

Morgens noch in den Spiegel schauen können

„Ich möchte morgens noch in den Spiegel schauen können“, mit diesem Satz drücken wir aus,  dass wir von bestimmten Überzeugungen nicht abrücken wollen, was auch immer uns das kostet, dass wir ein Rückgrat haben und uns nicht verbiegen lassen, dass wir eine Ehre haben…

Nun ist es mit unserer Aufrichtigkeit, unserer Standhaftigkeit oder unserem Heldenmut erfahrungsgemäß nicht immer so weit her und der morgendliche Blick in den Spiegel kann dann schon einmal etwas gequält ausfallen. Eine kleine Hilfestellung dazu fand ich im Rahmen der Vorbereitung der morgendlichen Meditationen in der KPB Düren. Der verstorbene Aachener Bischof Klaus Hemmerle, schreibt über die ersten Minuten des Tages:

Eine der ersten Begegnungen, die uns der Tag beschert, ist immer diejenige mit uns selber, meistens vor dem Spiegel. Wir wissen alle, dass wir dann nicht in der Hochform des Tages sind… Das erste Morgengebet besteht nun darin, dass ich mir in Ruhe sage: Dieser Mensch, den ich da im Spiegel sehe, ist ein von Gott geliebter und bejahter Mensch.
Vielleicht frage ich mich in der ersten Morgenträgheit: Was ist an dem da schon liebenswert? Aber das ist meine Frage – nicht Gottes Frage. Gott liebt uns nicht nur dann, wenn wir in Hochform, wenn wir einmal mit uns selber zufrieden sind…
Diesen Gedanken, dass Gott mich liebt, soll ich morgens vor dem Spiegel so lange aushalten, bis ich ihm zustimme, bis ich dieses Gesicht im Spiegel annehme, ihm vielleicht ein bisschen Mut zuspreche oder gar zulächle.

Ausgehend von diesem Text habe ich es in den letzten Wochen probiert, habe, wie auch immer ich gestimmt war, mich mit dem Gedanken angeschaut, ein geliebter und wertvoller Mensch zu sein und habe, wenn nötig,  auch meinem eigenen  fragenden oder zweifelnden Blick standgehalten. Und meistens hat sich nach einiger Zeit ein manchmal noch unbeholfenes Lächeln eingestellt, so etwas wie eine Komplizenschaft mit dem da im Spiegel, der mir signalisierte:  Ich kenne dich gut.  Du bist  o.K.

Und die erste Begegnung des Tages war gelungen!

Mario Schleypen


Geistlicher Impuls im Oktober/November 2009

„Ich habe Ihnen etwas mitgebracht  …!“

Liebe Mitarbeiterinnen und liebe Mitarbeiter bei der Polizei,

in der ersten Augusthälfte dieses Jahres war ich für fünf Tage in Bad Wildstein an der Mosel in einem Hotel. Ruhe, Erholung, Wellness  … das war meine Absicht. Das ist wunderbar gelungen und die Tage haben mir sehr gutgetan. In diesem Hotel stand in großer Schrift an der Wand der folgende Text:
(Einzelne Formulierungen/Worte gehören zwar nicht mehr zu unserem heute üblichen Sprachgebrauch, werden aber bestimmt von allen verstanden.)

Bewahre das Alter

Jugend ist nicht nur ein Lebensabschnitt -
Jugend ist ein Geisteszustand.
Sie ist Schwung des Willens,
Regsamkeit der Fantasie,
Stärke der Gefühle,
Sieg des Mutes über Feigheit,
Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.

Niemand wird alt,
weil er eine Anzahl Jahre hinter sich gebracht hat.
Man wird nur alt,
wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit dem Verzicht auf Begeisterung
aber runzelt die Seele.

Du bist so jung wie Deine Zuversicht,
so alt wie Deine Zweifel.
So jung wie Dein Selbstvertrauen,
so alt wie Deine Furcht.
So jung wie Deine Hoffnungen,
so alt wie Deine Verzagtheit.

Solange die Botschaften der Schönheit,
Freude, Kühnheit und Größe und Gefühle Dein Herz erreichen,
solange bist Du jung!

(Albert Schweitzer)

Mit  Texten und Sprüchen geht es mir so, dass bestimmte Inhalte und Formulierungen mich heute sehr ansprechen, zu anderen Zeiten aber eher etwas langweilen. Die Wirkung von Texten und Sprüchen auf mich hängt fast immer auch von meiner persönlichen Verfassung oder von den eigenen Stimmungen ab. „Fantasie – Mut – Abenteuerlust – Freude“ und im Gegensatz dazu „Trägheit – Zweifel – Verzagtheit – Furcht“. „Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.“

Durch den Text fühlte ich mich angesprochen in Bereichen

- die etwas mit meinem Gefühl von Lebendigkeit zu tun haben
- die ich selbst wenigstens teilweise steuern kann

und eingeladen, meine Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Jung bleiben und älter werden ist so verstanden demnach keine Frage an das biologische Alter, sondern zielt ab auf eine Lebendigkeit, die in jedem Alter und in jeder Lebensphase eine hohe Entfaltungsmöglichkeit hat.

„Uns gegenseitig ab und zu daran zu erinnern!“ – das fände ich wichtig, hilfreich und schön.

Erkelenz,  im August 2009
Georg Küpper, Ihr Kath. Polizeiseelsorger


Geistlicher Impuls im November/Dezember 2009 

Liebe Mitarbeiterinnen und liebe Mitarbeiter!

Vielleicht kennen Sie das:
Über lange Zeit hat die Arbeit Freude gemacht, alles lief gut;
doch plötzlich passiert etwas Unerwartetes, etwas Unerfreuliches;
da stellen sich einem ganz massiv die Fragen:
„Warum mache ich das eigentlich alles?“
„Was soll das und wem oder wozu dient das?“

Ich habe bei mir festgestellt, dass derartige Fragen sich am ehesten melden, wenn ich erschöpft und müde bin.
Wenn es nicht so läuft, wie ich es gerne hätte,
wenn Erfolge ausbleiben,
wenn ich mich überfordert fühle,
wenn ich etwas tun soll, was ich nicht einsehe und nicht will,
wenn ich das Gefühl habe, persönlich zu kurz zu kommen.

Dann drängt sich solch eine Frage auf:
„Warum mache ich das eigentlich alles?“
Zu bestimmten Zeiten erscheint uns fast alles sinnlos.  Wir kennen aber  auch Zeiten, in denen uns das genaue Gegenteil deutlich ist:

Meistens weiß ich genau, warum ich dieses oder jenes mache:
es gibt schon ein gutes Gefühl, wenn ich etwas tun kann, das mir sinnvoll erscheint.
Ich weiß, wie wichtig es ist, zu helfen, etwas zu bewegen und zu bewirken.
Ich freue mich über Erfolge und genieße dann auch meine Kraft und Vitalität.
Das sind bei mir die Zeiten, in denen ich gar nicht lange nachdenken muss, da läuft einfach alles sehr gut.

Ich bin mir sicher, dass es einigen von Ihnen ähnlich geht.

Die Zweifel an uns selbst und die Zweifel an dem, was wir tun,
kommen bisweilen, ohne dass wir das bewusst steuern könnten;
sie kommen manchmal auch gerade dann, wenn wir eher etwas anderes brauchen könnten.
Wenn sich Frust, Ohnmachtsgefühl und Überforderung einstellen,
macht eigentlich nichts mehr richtig Spaß.

Gerade in solchen Situationen spüren wir unsere eigene Bedürftigkeit besonders deutlich. Entlastung wäre dann wichtig, Anerkennung und Wertschätzung täten dann sehr gut.
An dieser Stelle möchte ich aber nicht missverstanden werden.
Mit Wertschätzung meine ich nicht ein oberflächliches „Loben“für Dinge, die es eigentlich nicht wert sind. Sie sollen vielleicht aufbauen, machen aber nur klein und nehmen den anderen nicht ernst.
Ich meine auch nicht, nur nett sein und keinem wehtun zu wollen.

Sie werden mir wahrscheinlich zustimmen, dass es im Dienst in erster Linie um gute Arbeit und um Zuverlässigkeit gehen soll.
Dass dabei auch Fehler passieren, wird man nie ganz ausschließen  können; Fehler und Fehlverhalten dürfen deutlich benannt und sollten dann möglichst vermieden werden. Und - nicht immer kann Rücksicht genommen werden auf persönliche Wünsche und Befindlichkeiten,

aber …
wenn ehrliche Wertschätzung die Grundlage des Umgangs miteinander ist,
wenn ehrliche Wertschätzung die Haltung zueinander prägt und
wenn ehrliche Wertschätzung das Klima bestimmt,
dann kommt neben aller Fachlichkeit und neben allen Leistungen
eine manchmal vergessene Seite von Menschen in den Blick.

Eine wertschätzende Haltung äußert sich wesentlich auch darin,
wie wir miteinander reden und wie wir übereinander reden
(abfällig und vorschnell oder vorsichtig und respektvoll).
Wertschätzung wird manchmal erst zum Thema, wenn sie ausbleibt.
Ich bin davon überzeugt, die meisten möchten nicht abhängig sein von der Wertschätzung durch andere,
aber  ab und zu etwas davon zu spüren, das wäre nicht schlecht,
das täte gut.

Und noch etwas: 
Keiner kann uns hindern, dass wir uns selbst mit der nötigen Wertschätzung sehen.
Wertschätzung ist eine Macht, die uns keiner nehmen kann.
Viel Erfolg und Freude beim Ausprobieren.

Das wünscht Ihnen

Georg Küpper,
Ihr katholischer Polizeiseelsorger.

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