2013

Geistlicher Impuls zu Weihnachten 2013 - ein (erster) Reisebericht

„Friede auf Erden“ – die Botschaft, die in der letzten Adventwoche während der Informationsreise dreier deutscher Bischöfe in Afghanistan in Gottesdiensten immer wieder anklang, verweist auf große Herausforderungen im Land am Hindukusch. Die Delegation aus Militärseelsorge, Justitia et Pax und Polizeiseelsorge konnte bei vielen Begegnungen und „Briefings“ erleben und erfahren, wie viel Aufbauarbeit bereits geleistet wurde und wie viel noch zu tun bleibt. Die Berichte aus den Einheiten der Bundeswehr, der Caritas, Vertretern der Menschenrechtsbewegung, Mitarbeitern unterschiedlicher Bildungsorganisationen, örtlicher Religionsvertreter und dem deutschen Polizeikontingent machten deutlich, dass die afghanische Gesellschaft mit den im März 2014 erfolgenden Wahlen vor einer wichtigen Weichenstellung steht.

Besonders beeindruckend waren für die Vertreter der katholischen Polizeiseelsorge, Weihbischof W. Bischof (Erzbistum München und Freising) und Dr. M. Arnemann (Bistum Münster), die Treffen mit deutschen Polizeibeamtinnen und -beamten, die die Einladung zum Empfang der deutschen Botschaft in Kabul und zu einem Informationsgespräch im Lager der Bundeswehr in Mazar-e Sharif angenommen hatten. Die deutsche Polizei hat in den zurückliegenden Jahren in Afghanistan beachtliche Ausbildungskapazitäten geschaffen, auch um mitzuhelfen, eine neue Polizeikultur grundzulegen. Heute verfügt die afghanische Polizei über ca. 1800 Ausbildungsplätze.

Derzeit sind ca. 130 bis 140 Polizeibeamtinnen und -beamte für das German Police Projekt Team (GPPT) vor Ort; hinzu kommen 13 Kolleginnen und -kollegen, die im EUPOL-Kontingent (156 internationale Kräfte) Dienst tun.

In den Begegnungen mit insgesamt ca. 70 Kolleginnen und Kollegen wurde wiederholt betont, wie sinnvoll es ist, durch die deutsche Polizeiseelsorge ein persönliches Signal „vor Ort“ zu setzen. Grundsätzlich können Aufgaben, die in die Zuständigkeit der Seelsorger für die Polizei fallen, in Auslandseinsätzen durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Militärseelsorge übernommen werden. Zugleich aber ist es wichtig, Fragen des Aufbaus einer Rechtskultur, die hiermit einhergehenden Brüche und Chancen in der Wahrnehmung der deutschen Ausbilderinnen und Ausbilder, sowie persönliche Schicksale im Zusammenhang mit der Förderung und Begleitung afghanischer Polizeikräfte im unmittelbaren Kontext zu erörtern.

„Friede auf Erden“ – mit dem Besuch der Delegation bei Kräften unterschiedlicher NGO, der Polizei und der Bundeswehr  konnte Wertschätzung für die Menschen gezeigt werden, die mit großem persönlichen Engagement „Anfänge“ setzen. Es sind eben solche „Anfänge“ – wie es die Predigt von Militärbischof Overbeck deutlich machte – die eine große Botschaft im Kleinen beginnen und Wirklichkeit werden lassen.

Dr. Michael Arnemann

Bistum Münster

Gottesdienst in der deutschen Botschaft in Kabul

Gottesdienst in der deutschen Botschaft in Kabul aus Anlass des Empfangs für Vertreter von NGO, Polizei, Bundeswehr und Kirche (Foto: Arnemann)


Geistlicher Impuls April 2013

Vom Kreuz

Kein christliches Symbol ist in unserem Leben so präsent wie das Kreuz. Am Beginn unseres Lebens, bei der Taufe wird uns ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Und am Ende unseres Lebens, bei der Beerdigung wird das Kreuz über unserem Grab aufgerichtet. Wir haben Kreuze in und auf unseren Kirchen, in unseren Häusern und Wohnungen, an Straßen und zum Teil sogar in öffentlichen Gebäuden. Das Kreuz ist das christliche Symbol schlechthin.

Zugleich ist das Kreuz das grausame Marterwerkzeug – wahrscheinlich die grausamste Hinrichtungsart, die Menschen sich je ausgedacht haben. Ein Schandpfahl, ein Ort der tiefsten menschlichen Erniedrigung. Ein Mahnmal dafür, was Menschen anderen Menschen antun können. Das Kreuz erinnert uns daran, wie Menschen leiden, wie sie gequält werden. Das Kreuz erinnert uns daran, dass das Leben, das unser Leben endlich ist.

Doch die Bedeutung des Kreuzes für uns erschöpft sich nicht in Qual und Tod. Wir sind keine Sadisten, die sich Folterinstrumente in die Wohnung hängen. Das Kreuz ist für uns vor allem Zeichen der Hoffnung, ein Zeichen für Gottes Kraft, wie der Apostel Paulus schreibt. Wenn wir an unseren Gräbern Kreuze aufstellen, dann tun wir das, weil wir daran glauben, dass der Tod nicht das Letzte ist. Weil wir daran glauben, dass wir über den Tod hinaus von Gott gehalten sind. Das ist Auferstehung. Das ist Botschaft Jesu Christi. Dafür steht das Kreuz. Denn auf das Dunkel des Karfreitags folgt das Licht von Ostern.

Zudem sagen wir: Das Kreuz ist das Zeichen unserer Erlösung. Doch was ist Erlösung? Erlösung heißt, dass die Beziehung zwischen Gott und den Menschen in Jesus Christus erneuert worden ist. Gott selbst kommt als Mensch in die Welt, um seinen Bund, seine Beziehung zu den Menschen zu erneuern. Im Menschen liegen Größe und Versagen nah bei einander. Wir sind dazu in der Lage, unendlich viel Gutes zu tun. Menschen sind aber auch dazu in der Lage, unendlich viel Böses zu tun. Die Geschichte der Menschheit ist voll von dem Großen und dem Bösen, zu dem Menschen fähig sind. Das Schlechte, das Böse, die Sünde belastet nicht nur unsere Beziehung untereinander, sondern auch unsere Beziehung zu Gott.

Nun kommt Gott in Jesus Christus als Mensch in die Welt, um die Beziehung zwischen Gott und Mensch zu erneuern, wiederherzustellen. Jesus Christus ist ein Mensch, der den Willen Gottes auf vollkommene Weise erfüllt. Er liebt Gott und die Menschen in Wort und Tat. Davon lässt er sich auch durch die Bosheit der Menschen nicht abbringen. Er lässt sich von diesem vollkommenen Leben auch dann nicht abbringen, als ihn die Bosheit anderer Menschen ans Kreuz bringt und ihn tötet.

Er ist der unschuldige Gerechte, der Gottesknecht, von dem der Prophet Jesaja im Alten Testament berichtet: Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Der Tod am Kreuz ist die Folge des gottgemäßen Lebens Jesu. Und dieser Tod ist verursacht durch die Bosheit von Menschen – nicht nur vor 2000 Jahren. Ursache ist das menschliche Versagen durch alle Zeiten. Jesus Christus führt allen Menschen vor Augen, wohin ihre Schlechtigkeit letztlich führen kann: nämlich zum Tod des Unschuldigen, des Gerechten, wie es bei Jesaja heißt.

Aber das Böse triumphiert nicht endgültig über das Gute. Die Auferstehung Jesu ist die deutliche Botschaft, dass die Sünde nicht dauerhaft, nicht endgültig über die Liebe triumphiert. Nicht der Gute ist der Dumme! Jesus Christus als Mittler, als Gott und Mensch hat die Beziehung zwischen Gott und Mensch wieder hergestellt. Er verschafft uns Zugang zu Gott. Bei all unseren Fehlern und Lieblosigkeiten, bei allem Versagen, haben wir die Möglichkeit, umzukehren und diesen Zugang zu Gott zu suchen.

Das ist die Beziehung, die Jesus Christus wieder hergestellt hat und die nicht mehr zerstört werden kann. Das ist Erlösung: die feste Beziehung zu Gott. Wir dürfen uns immer wieder hinwenden zu ihm. Dafür steht das Kreuz – für unsere Beziehung zu Gott. Für unsere Beziehung zu Gott, die auch im Tod nicht abreißt.

Dr. Antonius Hamers
Bistum Münster

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