Reisebericht
In den Sandalen von Franziskus gehen
Polizeiseelsorge in Assisi (21. - 27.09.2015)

Zwölf Polizisten von Rhein und Ruhr besuchten eine Woche im September die Wirkungsstätten des Heiligen Franziskus in Assisi. Unter der professionellen Leitung der beiden Polizeiseelsorger des Erzbistums Köln, Michael Pulger und Norbert Schmitz, begaben sich die Männer auf eine Reise durch verschiedene Lebensthemen, die mit dem Mann-Sein elementar verbunden sind und zu denen der große Heilige Erhellendes und Bleibendes zu sagen hat.
Dieses besondere Angebot der Polizeiseelsorge wurde seit über einem Jahr kontinuierlich vorbereitet und z.B. durch monatliche Impulse dicht begleitet.

Am ersten Arbeitstag nach der Anreise von Düsseldorf über Rom nahmen die Männer ihre Lebenslinien und Lebenswenden in den Blick. Ein Tag mit großem Tiefgang und emotionaler Dichte, erlebter Solidarität und gespürtem Vertrauen.

Ausgehend von Orten, an denen der Hl. Franz als Kind und junger Mann gelebt hat, setzten sich die Männer
am zweiten Tag bewusst gehend mit ihren Vater-Sohn-Beziehungen auseinander. Das Wort Versöhnung entfaltete an diesem Vatertag ganz eigene und neue Wirkkräfte. In der abendlichen Gruppenrunde im klösterlichen Kapitelsaal entstand an diesem Tage das inoffizielle Symbol dieser Männerrunde – aus umbrischen Steinen in Richtung leuchtender Kerze herauswachsende frische Olivenzweige.

Arbeit und besonders Polizistenarbeit prägten inhaltlich
den dritten Tag. Zu den je eigenen Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer konnte hierzu das Aufsuchen historischer Orte das Thema erheblich weiten. Franziskus plädierte fürs Losgehen, Anpacken und Tun. In der kleinen Klosteranlage San Damiano (Wiege des Sonnengesanges) vor den Toren von Assisi ist die Bindung an Leben und Arbeit von Franz und Klara noch besonders greifbar.
Die Arbeit als Polizist gelingt und bereichert, wenn sie Hand, Fuß und Kopf hat und wenn ihr Herz und Spirit beigegeben ist.
Assisi selbst ist als gebauter Ort Symbol für beharrliche Arbeit, in der Idee und Geist das menschliche Mühen leiten und ermutigen. Die Steine sind schon oft durchbebt und gebrochen worden. Sie werden eingesammelt, sortiert und neu vermauert und belebt.

Männlichkeit und Mut zum Wagnis sind die Ausgangsgedanken
des vierten Tages. Die Gruppe wandert durch den Regen nach Eremo delle Carceri. Dort wird am Franziskus-Altar im Freien Gottesdienst gefeiert. Eine Teilgruppe kämpft sich anschließend weiter hoch zum Gipfelkreuz des Monte Subasio und durchbricht dort die Wolkendecke.
Am Abend sind aus „wilden Männern“ (Franziskaner Richard Rohr für die Männerseelsorge in Anlehnung an ein mythisches Bild) müde Männer geworden, die wissen, dass franziskanische Demut gut vor falsch-aggressiver Wildheit wappnet.
Spiritualität über das populär Angesagte hinaus ist das

Thema von Tag Fünf. Es geht um das „Mehr als das Ganze“, das „Hinter dem Sichtbaren Wirksame“. Der Weg führt in die Unterstadt nach S. Maria degli Angeli. Hier erlebte der Hl. Franz seine sog. Spirituelle Transformation. Die Männer ergreifen nochmal die Gelegenheit, wesentlichen Fragen des Lebens nachzugehen und Erkenntnisse und Antworten miteinander zu teilen.
Am Abend setzt die Gruppe bei einem rustikalen Mahl in Fontemaggio im Wald vor den Stadtmauern einen franziskanisch-fröhlichen Schlusspunkt dieser erlebnisintensiven und aufschlussreichen Pilgerreise.

Wie immer durch krächzende Hähne und das Glockenorchester der verschiedenen Campanile rechtzeitig geweckt, verabschieden sich die Männer am Abreisetag von den liebevoll-gastgebenden Missionsfranziskanerinnen. Der „Ort des Friedens“ war durch die Dialogveranstaltung „Umanita“ und die beginnende Kunstbiennale zusätzlich gut besucht.

Das Temperament des römischen Busfahrers ließ die Gruppe rechtzeitig den Flughafen erreichen.

Pax et Bonum – Friede und Alles Gute!


Burkhard Jahn Köln, 01.10.2015
(Der Autor arbeitet als Polizist in Köln.)
Assisi – Heimat und Lebenszeugis des Heiligen Franziskus (1181-1226) und der Hl. Klara; Zentrale Pilgerstätte (im Jahr ca. 6 Mio) der Christenheit, UNESCO-Welterbe, 1986 Erstes Weltgebetstreffen für den Frieden auf Einladung des Papstes; 1997 Wiederaufbau nach dem jüngsten Erdbeben; hotspots der Spiritualität und des Gästeinteresses sind die Basilika San Francesco, die Porciuncula-Kapelle, das Kloster San Damiano, die Einsiedelei Carceri und das Elternhaus des Hl. Franz; Assisi liegt ca. zwei Autostunden nordöstlich von Rom im umbrischen Bergland;

Impressionen: